Es gibt Wörter, die hört man ständig, nickt höflich – und wenn einen dann jemand fragt, was sie eigentlich bedeuten, wird es plötzlich still. „Social Business“ ist so ein Wort. Es steht auf Plakaten, in Zeitungsartikeln, in Stelleninseraten. Und trotzdem hätten die meisten von uns Mühe, es in einem Satz zu erklären.
Also nehmen wir uns die Zeit. Ganz ohne Fachchinesisch.
Der Unterschied liegt in der Frage „Wofür?“
Ein normales Unternehmen verkauft etwas, damit am Ende Gewinn übrig bleibt. Das ist nicht böse, das ist einfach die Spielregel. Der Gewinn geht an die Eigentümerinnen und Eigentümer, und die entscheiden, was damit passiert.
Ein Social Business verkauft ebenfalls etwas. Es stellt Rechnungen, zahlt Gehälter, hat Kundinnen und Kunden. Nur ist der Gewinn nicht das Ziel, sondern das Mittel. Das Ziel ist ein Problem, das gelöst werden soll: Menschen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chance bekommen. Lebensmittel, die im Müll landen würden. Einsamkeit im Alter.
Man könnte sagen: Beim normalen Unternehmen ist der gute Zweck ein netter Nebeneffekt. Beim Social Business ist er der eigentliche Grund, warum es das Unternehmen überhaupt gibt.
Warum nicht einfach spenden?
Das ist die Frage, die fast immer kommt. Und sie ist berechtigt.
Der Unterschied ist die Unabhängigkeit. Ein Verein, der ausschließlich von Spenden lebt, muss jedes Jahr aufs Neue darum bitten. Läuft die Wirtschaft schlecht, sinken die Spenden – ausgerechnet dann, wenn die Hilfe am nötigsten wäre.
Ein Social Business hat dagegen eigene Einnahmen. Es verkauft Kaffee, näht Taschen, betreibt eine Wäscherei, programmiert Websites. Diese Einnahmen kommen, ob gerade Weihnachten ist oder nicht. Das macht Planung möglich – und Planung ist für Menschen, die auf ein verlässliches Einkommen angewiesen sind, alles andere als ein Detail.
Drei Beispiele, die man sich merken kann
- Ein Café, in dem Menschen mit Behinderung arbeiten. Der Kaffee kostet dasselbe wie nebenan. Die Gäste kommen wegen des Kaffees. Dass hier jemand einen Arbeitsplatz hat, den es sonst nicht gäbe, steht nicht auf der Rechnung.
- Ein Sozialmarkt. Lebensmittel, die im Handel aussortiert werden, aber völlig in Ordnung sind, werden günstig an Menschen mit kleinem Budget verkauft. Zwei Probleme, eine Lösung.
- Eine Näherei, die Arbeitskleidung repariert. Firmen sparen Geld, Textilien landen später im Müll, und die Näherinnen haben einen Job. Niemand muss dabei ein schlechtes Gewissen haben.
Muss so ein Betrieb Gewinn machen?
Er darf. Das überrascht viele. Ein Social Business ist kein Verein, der sich am Existenzminimum entlanghantelt. Es darf Überschüsse erwirtschaften – nur fließen die eben nicht in private Taschen, sondern zurück in die Sache. In mehr Arbeitsplätze, in bessere Ausstattung, in das nächste Projekt.
Genau das macht die Idee so hartnäckig charmant: Sie funktioniert mit den Mitteln der Wirtschaft, nicht gegen sie.
Woran erkennt man eines?
Es gibt kein Gütesiegel, das man wie ein Pickerl auf die Tür klebt. Aber es gibt Hinweise, auf die man achten kann:
- Der soziale Zweck steht nicht im Kleingedruckten, sondern ganz vorne.
- Es ist nachvollziehbar, was mit den Überschüssen passiert.
- Die Menschen, um die es geht, sind Beteiligte – nicht bloß Empfänger.
- Das Unternehmen würde auch dann Sinn ergeben, wenn niemand darüber berichtet.
Und was heißt das für dich?
Ehrlich gesagt: erst einmal gar nichts. Du musst dein Leben nicht umbauen, nur weil du jetzt weißt, was der Begriff bedeutet.
Aber vielleicht fällt dir beim nächsten Spaziergang das kleine Lokal auf, an dem du sonst vorbeigehst. Vielleicht schaust du das nächste Mal genauer hin, wenn irgendwo „soziales Unternehmen“ steht, und fragst nach. Vielleicht kaufst du irgendwann eine Kleinigkeit dort statt woanders – nicht aus Mitleid, sondern weil es passt.
Mehr braucht es gar nicht. Die meisten guten Ideen fangen damit an, dass jemand versteht, wovon die Rede ist.