Wenn man Menschen fragt, was ein Ehrenamt ist, kommen erstaunlich verschiedene Antworten. Die einen denken an die Feuerwehr, die anderen an den Elternverein, wieder andere an junge Männer in Zivil, die alte Leute besuchen.
Alle haben irgendwie recht. Und alle meinen etwas anderes. Zeit, die Begriffe auseinanderzusortieren.
Ehrenamt: die Funktion mit Verantwortung
Ein Ehrenamt ist eine Aufgabe mit Titel und Dauer. Kassier im Sportverein, Obmann einer Organisation, Schriftführerin, Mitglied im Elternverein. Man wird gewählt oder bestellt, man hat eine Funktion, und die trägt man eine Zeit lang.
Das Wort „Amt“ ist dabei wörtlich zu nehmen: Es gehört Verantwortung dazu. Wer den Verein führt, unterschreibt auch Dinge.
Freiwilligenarbeit: die Tätigkeit ohne Titel
Freiwilligenarbeit ist der weitere Begriff. Sie braucht keine Funktion und oft nicht einmal eine Organisation. Wer beim Nachbarschaftsfest Kuchen bäckt, beim Ferienlager mithilft oder im Tierheim Hunde ausführt, macht Freiwilligenarbeit.
Der große Unterschied zum Ehrenamt: Man kann jederzeit aufhören, ohne dass eine Lücke im Vorstand entsteht. Genau deshalb ist es für viele der leichtere Einstieg.
Zivildienst: kein Ehrenamt, sondern eine Pflicht
Hier wird es oft verwechselt. Zivildienst ist die Alternative zum Wehrdienst – also etwas, das man leisten muss, nicht etwas, das man freiwillig tut. Die Zivildiener bekommen Geld, sind versichert und arbeiten Vollzeit in einer anerkannten Einrichtung.
Dass viele von ihnen danach freiwillig weitermachen, ist eine schöne Sache – aber eine andere Sache.
Und was ist mit Praktika und Freiwilligenjahren?
Dazwischen gibt es Formen, die weder ganz Arbeit noch ganz Ehrenamt sind: freiwillige Sozialjahre, Umweltjahre, Auslandsdienste. Man verpflichtet sich für längere Zeit, bekommt ein Taschengeld und ist versichert.
Wer jung ist und sich orientieren will, findet hier oft mehr als bei jedem Berufsberatungstest.
Warum die Unterscheidung praktisch wichtig ist
- Versicherung. Bei organisierter Tätigkeit ist man in der Regel abgesichert. Beim spontanen Helfen unter Nachbarn nicht automatisch.
- Haftung. Wer ein Amt übernimmt, übernimmt auch Pflichten. Das sollte man wissen, bevor man Ja sagt.
- Zeitaufwand. Ein Amt endet nicht, wenn man müde ist. Eine freiwillige Tätigkeit schon.
- Bestätigungen. Für Bewerbungen sind schriftliche Nachweise hilfreich, und die gibt es fast überall – man muss nur fragen.
Der ehrlichste Rat für den Anfang
Fang klein an und ohne Funktion. Geh einmal mit. Hilf bei einer einzelnen Veranstaltung. Schau dir an, wie der Umgangston ist, ob die Leute organisiert sind, ob du gerne wiederkommst.
Viele Menschen sagen beim ersten Kontakt sofort zu einem Amt zu, weil man sie freundlich fragt – und sind ein halbes Jahr später erschöpft und verlegen, weil sie aussteigen wollen.
Das ungeschriebene Gesetz
In fast jedem Verein gilt: Wer einmal Ja sagt, wird wieder gefragt. Das ist ein Kompliment und eine Falle zugleich.
Ein freundliches „Diesmal nicht, beim nächsten Mal gern“ ist völlig in Ordnung und wird niemandem übelgenommen. Wirklich niemandem. Menschen, die sich das früh angewöhnen, bleiben deutlich länger dabei als die, die alles übernehmen.
Was am Ende bleibt
Die meisten, die man dazu befragt, erzählen nicht von der Tätigkeit. Sie erzählen von den Leuten. Von der Runde nach der Probe, vom Kaffee nach dem Einsatz, von jemandem, den sie sonst nie kennengelernt hätten.
Das ist wahrscheinlich der eigentliche Grund, warum es Menschen jahrzehntelang machen. Und er steht in keiner Definition.