„Ich würde ja gern, aber ich hab keine Zeit.“ Diesen Satz sagt fast jeder, und fast jeder meint ihn ernst.
Dahinter steckt aber meistens noch ein zweiter, unausgesprochener Satz: „Und wenn ich einmal anfange, komm ich nie wieder raus.“ Dieser zweite Satz ist der eigentliche Grund. Und er ist der, über den zu wenig gesprochen wird.
Der Denkfehler mit dem Alles-oder-nichts
Viele stellen sich unter Freiwilligenarbeit etwas Großes vor: jede Woche ein fixer Termin, Verantwortung, ein Verein, der einen braucht. Und weil das gerade nicht geht, tut man gar nichts.
Dabei gibt es zwischen „nichts“ und „jede Woche“ einen riesigen Bereich, den kaum jemand nutzt.
Was in zwei Stunden im Monat möglich ist
- Einmal vorlesen. In Kindergärten, Volksschulen und Pflegeheimen wird fast überall jemand gesucht, der einfach vorliest.
- Einen Einkauf erledigen. Für jemanden aus der Nachbarschaft, der schlecht zu Fuß ist. Kostet dich zwanzig Minuten mehr als dein eigener Einkauf.
- Bei einer Veranstaltung mithelfen. Aufbauen, Kassa, Buffet. Punktuell, mit klarem Anfang und Ende.
- Etwas nähen, reparieren, übersetzen. Was du ohnehin kannst, ist irgendwo dringend gesucht.
- Einen Spaziergang begleiten. Für Menschen, die sich allein nicht mehr hinaustrauen, ist das das Wertvollste überhaupt.
Der Satz, der alles leichter macht
„Ich würde gerne mithelfen, aber nur punktuell – ist das für euch trotzdem brauchbar?“
Diesen Satz kann man am Telefon sagen, per Mail schreiben, an der Tür fragen. Er nimmt beiden Seiten den Druck. Und die Antwort ist fast immer Ja, weil punktuelle Hilfe genau das ist, woran es überall fehlt.
Was du vorher klären solltest
- Wie viel Zeit ist realistisch gemeint – auch die Anfahrt?
- Gibt es eine Ansprechperson, wenn etwas unklar ist?
- Bin ich versichert?
- Was passiert, wenn ich einmal absagen muss?
Diese vier Fragen zu stellen, ist kein Misstrauen. Es ist der Unterschied zwischen einer Sache, die man drei Jahre macht, und einer, die man nach zwei Monaten abbricht.
Die Sache mit dem schlechten Gewissen
Es wird Monate geben, in denen du es nicht schaffst. Krankheit, Arbeit, Familie, einfach Erschöpfung.
Sag früh Bescheid und dann ohne lange Erklärung. Organisationen kommen mit einer Absage gut zurecht. Womit sie schlecht zurechtkommen, sind Menschen, die nicht auftauchen und nichts sagen.
Das Stiegenhaus zählt auch
Nicht alles muss über einen Verein laufen. Der Nachbarin die Post hochtragen, für den älteren Herrn ein Paket annehmen, beim Rasenmähen mithelfen – all das ist dasselbe, nur ohne Organigramm.
Es zählt nicht weniger, bloß weil es keinen Namen hat.
Warum es dir selbst guttut
Das klingt nach einem Werbespruch, ist aber gut untersucht: Menschen, die regelmäßig etwas für andere tun, berichten von mehr Zufriedenheit und fühlen sich weniger allein. Nicht weil sie bessere Menschen wären, sondern weil sie an einem Ort gebraucht werden, an dem es nicht um Leistung geht.
Zwei Stunden im Monat sind vierundzwanzig Stunden im Jahr. Das ist ein einziger Tag. Und dieser eine Tag verändert für jemanden anderen möglicherweise ein ganzes Jahr.